Alles klar im Oberstübchen? Ein kulinarischer Ausflug nach Tempelhof!

Es sind die kleinen Dinge des Lebens die uns Glücklich machen und dazu zählt auch das Essen. Um dem auf die Spur zu gehen sind wir auf das Kleinod der kulinarischen Entzückung in Berlin-Tempelhof des Kochprofis Kai Neumann, u.a. bekannt aus The Taste gestoßen. Ein kleines Paradies!

Die Suche nach einem Lokal in dem man gut essen kann, ist manchmal sehr abenteuerlich! Ähnlich wie in dem Stück Don Quijote. Ein Satz aus der Weltliteratur ist bis heute jedem bekannt, auch wenn der Roman nie gelesen wurde: Speis und Trank hält Leib und Seele zusammen. Moderne Don Quijote gibt es kaum noch. Die meisten sind irgendwie extrem angepasst und glänzen mit brutaler Unterwürfigkeit. Essen gehen hat heut zu Tage eine andere Bedeutung als vor Jahren noch. Ja, wir können im Hintergrund hören „früher war alles besser…“ und sagen entschieden NEIN. War es nicht! Wir haben einfach „nur“ gegessen, ohne den kleinsten Hintergedanken ob das was auf dem Teller liegt, einst glücklich war, ob der Salat wirklich Vitamine enthält oder ob die Erdbeeren im Dezember als Dessert nicht doch etwas too much sind. Wenn wir essen gehen, dann möchten wir doch etwas schmecken, wir möchten eine angenehme Zeit verbringen und uns wohlfühlen, das Leben in all seinen Facetten genießen.

Kreatives Umfeld in Tempelhof.

Ein moderner Don Quijote ist der leidenschaftliche Koch Kai Neumann. Der gebürtige Oldenburger schwingt in seinem Restaurant „Wirtshaus zum Oberstübchen“ in der Malzfabrik in Tempelhof seit inzwischen mehr als 3 Jahren den Kochlöffel – und dies sehr erfolgreich! An einem sonnigen Mittag machen wir uns also auf nach Tempelhof um uns dieses Kleinod mal näher anzuschauen und uns natürlich kulinarisch verwöhnen zu lassen. Wir steigen die Treppen eines kleinen Nebenbaus der alten Malzfabrik empor und landen auf einer großen Dachterrasse. Es sieht gemütlich aus, Geschäftsleute, Künstler und Freunde des Hauses sitzen hier in entspannter Atmosphäre zusammen – wir fühlen uns auf Anhieb wohl. Was uns auffällt, es ist mega ruhig hier oben.

Genau dies ist der Grund, wieso sich Kai für diesen besonderen Ort entschieden hat. Auf die Frage, wie zum Henker er auf die Idee gekommen ist, in dieser alten Fabrik hinter dem Gewerbegebiet mit Ikea und Bauhaus ein Restaurant zu eröffnen, antwortet er uns: „Ich habe hier vor Jahren mal ein Catering gemacht und mich in diesen „entfernten“ Ort verliebt – dieser hat die Macht einen zu entschleunigen!“ Und so ist es, waren wir eben noch vom Stadtverkehr und Büroalltag gestresst sitzen wir nun ganz entspannt an einem der Holztische mit Kai in der Sonne und plaudern.

Kulinarische Entzückung und entspanntes Seelenbaumeln.

Es ist nicht schwer mit Kai ins Gespräch zu kommen, so entwickelt sich in kurzer Zeit ein Gespräch auf Augenhöhe. Er selbst ist ein kreativer, sympathischer Typ und könnte vom Auftreten her glatt als Künstler durchgehen, naja kochen ist ja bekanntlich auch eine große Kunst. Wir sprechen über viele Themen, wie er als gebürtiger Oldenburger vor rund 22 Jahren nach Berlin kam, dies eigentlich nur eine Zwischenstation sein sollte, aber schnell zur Heimat wurde. Denn Oldenburg vermisst er nicht wirklich, es gäbe da nicht wirklich kulinarische Highlights. Hingegen fühlt er, dass sich Berlin in den letzten Jahren zu einem kulinarischen Paradies entwickelt hat. Eine große Sternedichte, internationaler Input, von vietnamesischer Küche bis hin zu israelischen Köstlichkeiten und ganz individuelle kleine Gastro-Highlights machen Berlin für ihn kulinarisch wertvoll. Besonders freut ihn, dass der Anspruch an das Essen wieder wichtiger wird. Themen wie Nachhaltigkeit, Tradition und Handarbeit stehen hier im Fokus. Kai unterbricht erschrocken unser Gespräch mit den Worten: Hier habt ja noch garnichts zu Essen, dies müssen wir ändern! Stimmt, wollen wir uns doch auch kulinarisch vom „Wirtshaus zum Oberstübchen“ überzeugen. So gibt es jeden Tag eine andere kleine Karte mit ausgesuchten Gerichten. Natürlich gibt es auch für Veganer immer eine spezielle Kreation. Da wir uns nicht entscheiden können, lassen wir uns von Kai überraschen. Während wir auf unser Essen warten gehen wir mit ihm in die kleine Gaststube und schauen ihm bei der Zubereitung der Gerichte zu. Schnell wird klar, dass das Thema Nachhaltigkeit hier ein wichtiges Thema ist, dies spiegelt sich auch im Restaurant und seinem Catering-Service wieder. So wird hier nur mit saisonalen und regionalen Produkten gearbeitet. Wobei dabei Qualität stets über Regionalität steht. So bietet Kai bspw. keine deutschen Hühner an, sondern das Label Rouge Geflügel aus Frankreich. Für alle die sich jetzt denken „Label was?“; bei Label Rouge handelt es sich um ein vom französischen Landwirtschaftsministerium vergebenes Gütesiegel u.a. für Lachs und Geflügel. Dies entspricht mehr seinen Vorstellungen und Ansprüchen an ein Qualitätsprodukt. Auch das „Abfallprodukt“-Kabeljau-Zunge verarbeitet er sehr gern. Er stellt den Geschmack und die Einzigartigkeit von Genuss über alles. Da kann es schon mal sein, dass die Anfrage nach einem Caesar Salat, gefolgt von einer Empfehlung zu einem saisonalen Salat, abgelehnt wird.

In der Zwischenzeit sind unsere beiden Gerichte fertig. Fein-duftend stehen vor uns:

  • ein Lachs Label Rouge aus der Pfanne mit Möhren aus dem Ofen, Graupen (mag Kai übrigens sehr gern) in Reis gekocht (wie ein Risotto), Senfsatt in Weißwein gekocht dazu getrocknetes und frittiertes Gemüse, ein bisschen Rote Beete und Hirsepop, auf Kartoffelcreme sowie Micro-Greens
  • ein Kartoffel-Steinpilz-Püree mit im Ofen gebackene Schwarzwurzel, Auberginen, Champignons und gelbe Paprika Creme

Der Meister selbst genießt einen in Sesam gebratenen Thunfisch mit Salat. Die Salate und viele der verwendeten Zutaten kommen übrigens aus der benachbarten ECF Farm Berlin auf dem Gelände der Alten Malzfabrik. Diese ist Europas modernste Aquaponik-Farm (ein Verfahren, welches die Aufzucht von Fischen in Aquakulturen und die Kultivierung von Pflanzen in einer Hydrokultur ermöglicht) und produziert auf ressourcenschonende Art und Weise Obst, Gemüse als auch Fisch. Also ein ideales Paradies für einen Frischeliebhaber wie Kai. Er zeigt uns wie die Barsche in riesigen Aufzuchtbecken gehalten werden. Deren Ausscheidungen werden aus den Aquarien abgepumpt und über Leitungen zu 18m lange Tomatenpflanzen weiter geleitet oder Kräuter. Ein geschlossener ökologischer Kreis, nichts wird verschwendet. Es funktioniert. Am Ende der Kette wird ein Produkt verarbeitet, welches nicht über 7 Kontinente geschifft wurde, sondern direkt vor der Haustür entstanden ist. Zu dem hat Kai einen kleinen Garten hinter seinem Restaurant in dem er aus Leidenschaft Gemüse und Kräuter anpflanzt. Entdeckt haben wir auch auf dem Gelände einen kleinen Badeteich, in dem man sich an einem heißen Sommertag gern mal abkühlen kann. Wirklich ein kleines Stück Paradies hier.

Experimentierfreudiger TV-Koch!

Freitags ist übrigens Fischtag, hier gibt es dann (fast) alles aus der Farm vom Barsch, über den Salat bis hin zu den Tomaten. Fisch scheint Kai übrigens ganz besonders zu lieben. So schwärmt er während unseres Gesprächs immer wieder von seinen Besuchen auf Island und kritisiert in diesem Zusammenhang ganz klar den Walfang. Wir fragen ob es für ihn noch kulinarische Herausforderungen gibt? „Geschmacklich habe ich alles erreicht! Dies bedeutet nicht, dass man mit dem teuersten Fleisch der Welt gekocht haben muss, sondern experimentierfreudig und neugierig ist.“ Er träumt von einer Show-Küche in der großen Halle der Malzfabrik und das können wir uns gut vorstellen. Ist Kai doch sympathisch, kommunikativ und ein kleiner Entertainer. Mit dem Show-Business ist er immerhin auch vertraut. Über das TV-Format „The Taste“ über das er dem breiten Fernsehpublikum bekannt wurde, schmunzelt er. Durch eine kleine List seiner Lebensgefährtin Viviana Koch (Schmuckdesignerin des Labels LeChatVIVI®) kam er 2014 in die Sat.1 Kochshow in der prominente Köche wie die Sterne-Köche Léa Linster und Alexander Herrmann sowie TV-Köche Tim Mälzer und Frank Rosin die bekannte Jury bildeten. Rückblickend war es eine Erfahrung zu einem Lebenszeitpunkt gewesen die ihn gefordert hat, sagt er. Wir wollen wissen, wie es ist sich als Koch mit einem eigenen Restaurant, Auslandserfahrungen und einer starken beruflichen Vita in einem solchen Format einzuordnen? Ein Eingliedern in Abläufe ist für ihn nicht das Problem, er konzentriert sich auf seinen Job und liefert das Geforderte ab, auf sehr hohem Niveau. War Lea Linster als Coach mit ihren Einschätzungen und Tipps hilfreich? Nun, er ist ihren Empfehlungen gefolgt und teilte zugleich seine Bedenken mit, ohne ihre Erfahrung und Können in Frage zu stellen. Manchmal muss man einfach seinem Geschmack und dem Gespür für das Produkt folgen. TV-Formate findet er immer noch spannend, denn Shows klären auf und begeistern fürs Kochen. Die VOX-Show „Kitchen Impossible“ findet er bspw. gut. Er selbst ist inzwischen immer mal wieder in unterschiedlichen Formaten zu sehen. Wenn er essen geht und das Ergebnis nicht das erwartete ist, würde er es dem Koch sagen? Ja klar! Wie soll dieser sonst wissen, dass er sein Produkt verbessern muss?!

Inzwischen kratzen wir die letzten Reste unserer köstlichen Gerichte zusammen und könnten noch ewig weiter essen. Dazu gab es übrigens passend zum Konzept eine Lemonaid+ zu trinken: fair und biologisch selbstverständlich. Würde er ein zweites Restaurant eröffnen? Nein, er könne nicht an zwei Orten zeitgleich eine hohe Qualität liefern. Zum anderen, hat er von Montag bis Donnerstag einen 12 h Tag im Restaurant. Und was macht er an den Wochenenden? Da wird er mit seinem Catering-Unternehmen Foodpol für Events gebucht. Da leuchtet es schnell ein, dass ein zweites Restaurant zu viel des Guten wäre. Dennoch ist er ein wenig umtriebig. So kann er eine Kaffeesorte sowie Bier-Kreation, welches im Restaurant flaschenweise erworben werden kann, sein eigen nennen. Zu dem bastelt er auch an weiteren Produkten die zeitnah auf den Markt kommen sollen. Alles mit Bedacht und auf den natürlichen Geschmack ausgerichtet.

Es ist ein schöner Ort, dieses „Wirtshaus zum Oberstübchen“, wir möchten gern mehr von dieser Karte probieren, möchten gern weiter mit dem unprätentiösen Koch plaudern, dabei sein Bier schlürfen und die kleinen Dinge des Lebens genießen. Wir kommen auf jeden Fall wieder zu diesem wunderbaren Ort der Entschleunigung, des guten Geschmacks und besonderen Atmosphäre.

Wirtshaus zum Oberstübchen

Bessemerstraße 2-14 | Malzfabrik

12103 Berlin

Montag bis Freitag: 11.55 – 15:00 Uhr

030 – 91 54 74 82

hallo@wzo.berlin

http://www.wzo.berlin/

© Titelbild: katrin-lars.net; Bild 1-15:  katrin-lars.net

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